So funktioniert das Ohr

Anatomie & Physiologie

(1) Die Ohrmuschel wirkt wie ein Trichter und sorgt gleichzeitig dafür, dass Wind und kleinere Luftbewegungen nicht zu sehr im Ohr rauschen. Der Gehörgang ist so angelegt, dass er den Schall durch Resonanz verstärkt, eine wichtige Voraussetzung für das Verstehen von Sprache mit ihrem besonderen Frequenzbereich (1KHz – 4KHz). Wenn man die Formgebung der Ohrmuschel mit Erhebungen und Vertiefungen genauer betrachtet stellt man fest, dass es zwei Schallwege zum Gehörgang gibt, die eine Laufzeitdifferenz von ca. 2ms aufweisen. Das reicht aus, um auch monaural (einseitig) ein bedingtes Richtungshören zu erzielen.

Cerumen (Ohrenschmalz) ist ein natürlicher Bestandteil des Gehörgangs. Er wird im äußeren Bereich gebildet und hat für das Ohr eine selbstreinigende und antibakterielle Wirkung. Falls Sie das Gefühl haben schlechter zu hören ist die einfachste Form eines Hörverlustes der sogenannte Propf im Ohr. Eine Ohrspülung wirkt manchmal Wunder!

(2) Der Schall trifft im Gehörgang auf das feine Trommelfell. Für eine verlustfreie Übertragung sind gleiche Druckverhältnisse von Außenohr und Mittelohr notwendig. Diese Druckregulierung passiert durch die Ohrtrompete, die Verbindungsröhre zwischen Mittelohr und Rachenraum. Am Trommelfell wird der Schall auf die kleinsten Knochen des menschlichen Körpers übertragen. Die Gehörknöchelchenkette sorgt durch Hebelwirkung für eine 20 fache Verstärkung des Signals, bevor es zum Innenohr geleitet wird. Besonders laute Signale werden im Mittelohr durch den sogenannten Stapediusreflex abgeschwächt. Es mag erstmal merkwürdig klingen, aber Menschen mit Hörverlust sind häufig auch empfindlicher gegenüber Störlärm. Das bedeutet man fängt später an zu hören und empfindet laute Geräusche früher als ein Normalhörender als unangenehm laut – dadurch ist die Gesamtdynamik des Hörens eingeschränkt was sich auch auf das Sprachverstehen auswirkt!

(3) Das Innenohr befindet sich hinter einer feinen Scheidewand, das ovale Fenster. Die mechanischen Vibrationen der Gehörknöchelchen werden an der Steigbügelfussplatte ins Innenohr übertragen. Da das Innenohr mit Flüssigkeit gefüllt ist, lösen die Vibrationen sogenannte Wanderwellen aus. Vereinfacht ausgedrückt sorgen diese Wellenbewegungen dafür, dass ca. 15.000 Haarsinneszellen in bestimmten Tonhöhen gereizt werden. Jede Haarsinneszelle ist für bestimmte Tonhöhen verantwortlich. Am Eingang des Innenohr liegen die Zellen für hohe Töne, je näher zur Schneckenspitze hin, desto tiefer die Frequenzen die weitergeleitet werden. Das erklärt auch den Grund, weshalb die meißten Hörverluste im Hochtonbereich liegen. Stellen Sie sich einen Teppich im Hotel vor. Im Eingangsbereich ist er mehr ausgelatscht als im hinteren Bereich wo nur wenige darüber laufen. Ebenso müssen alle Schallsignale über den Eingangsbereich, Bereich der hohen Töne hinweg, während nur die tiefen Töne in die Schneckenspitze gelangen müssen. Werden die Haarsinneszellen durch die Wellen geknickt, dann entsteht ein elektrischer Impuls, der an den Hörnerv übertragen wird.

Ich bin ein Textbereich.

(4) Der Hörnerv enthält ca. 30.000 Fasern von denen 95% zum Gehirn senden. Zuerst gelangen die elektrischen Nervenimpulse in den Hirnstamm. Dann wird der Reiz auf beide Seiten des Gehirns in verschiedene Verarbeitungszentren geschickt. Das Gehirn ist in der Lage diese elektrischen Impulse zu interpretieren, auszuwerten und in konkrete Wahrnehmung zu verwandeln. Alles Gehörte wird im Großhirn mit vieltausend Mustern verglichen, die wir im Laufe unseres Lebens abgespeichert haben. Das bedeutet, dass unser Gehirn entsprechend unserer Hörfähigkeit „programmiert“ wird. Hier wird Sprache verstanden. Daraus folgt, dass Hören und Verstehen gelernt wird und auch später mit einer Hörgeräteversorgung wieder trainiert werden kann.

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